Freundesbrief 2016-01

Freundesbrief 2017-10

Liebe Freunde und Förderer,

mit Dankbarkeit haben wir erleben dürfen, wie unsere Arbeit von Gefangenen aus Straubing für die Auszeichnung mit dem Aggiornamento-Preis des Katholikentags 2014 vorgeschlagen wurde. Wir möchten deshalb in diesem Freundesbrief vor allem Eindrücke vom Katholikentag und der Preisverleihung schildern.

Von den anderen Aktivitäten der letzten Monaten wollen wir einige besonders erwähnen:

September 2013

  • Nürnberg Treffen von Teilnehmern der Brasilien-Studienreise zum Austausch über die Frage der Verbreitung des APAC-Modells

November 2013

  • München Vortrag zusammen mit einem Haftentlassenen an der Uni München im Studiengang MSI über Haftanstalten und alternative Projekte

Januar 2014

  • München Treffen mit Studenten der Fachhochschule München

Februar 2014

  • Nürnberg Jahreshauptversammlung des SET-FREE e. V. mit Wiederwahl des bisherigen Vorstands
  • Ansbach Filmaufnahmen mit Haftentlassenen für den Einsatz beim Katholikentag

März 2014

  • Nürtingen Strategietreffen des Vorstands mit Vertretern von xpand
  • Winnenden Vortrag über die SET-FREE-Arbeit in einer Gemeinde

April 2014

  • Leonberg Gestaltung eines gemeinsamen Abends beim Seehaus e. V. mit straffälligen Jugendlichen und einem Haftentlassenen
  • Wabern Teilnahme an einer ACL-Mitarbeiterschulung zur Klärung, inwieweit diese für eigene Mitarbeiter sinnvoll wäre

Mai 2014

  • Regensburg Auf dem Deutschen Katholikentag »Gefängniszellen-Stand«, drei Aktionsbühnen und Entgegennahme des Aggiornamento-Preises mit 17 Ehrenamtlichen und vier Haftentlassenen

Straftäter engagieren sich

Straftäter engagieren sich

Derzeit sind ca. 60.000 Menschen in Deutschland inhaftiert. Auch wenn diese Zahl tendenziell zurückgeht, bleibt es ein beklemmendes gesellschaftliches Problem.

Wir setzen uns dafür ein, wenig genutzte Ressourcen für die Resozialisierung von Gefangenen freizusetzen.
Dazu gehören eine möglichst starke Beteiligung der Bevölkerung, die Ausbildung von Gefangenen zu Multiplikatoren für eine Mitarbeit am Projekt sowie Wertevermittlung und spirituelle Angebote.
Mit diesen Elementen soll die Motivation von Inhaftierten für einen straffreien Weg gefördert werden.

Dass dies auch gelingt, zeigt u. a. die Arbeit in der JVA Straubing. Seit 2008 trägt der SET-FREE e. V. dort personell und finanziell ein Gefängnisprojekt, bestehend aus Gruppenarbeit, Einzelbegleitung und Unterstützung bei und nach der Haftentlassung.

Die Besonderheit dieser Arbeit besteht darin, dass Straftäter, die Zuverlässigkeit und solidarisches Handeln unter Beweis gestellt haben, Verantwortung im Projekt übernehmen und sich für Mitgefangene engagieren. Für diese Aufgabe werden sie von unseren Mitarbeitern geschult. Das Engagement der Inhaftierten soll pro-soziales Verhalten fördern und stellt auch eine Form der Wiedergutmachung dar.

Wir aktivieren zudem möglichst viele ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich während und nach der Haft um die Inhaftierten bemühen, und versuchen dadurch, die Gesellschaft so weit wie möglich in den Prozess der Resozialisierung mit einzubinden. In unserer Arbeit vor Ort engagieren sich in dieser Weise aktuell ca. 30 Ehrenamtliche.

Straftäter engagieren sich

In diesem Zusammenhang konnte nun also Angelika Lang als erste Vorsitzende des SET-FREE e. V. auf dem Katholikentag die Auszeichnung mit dem Aggiornamento-Preis von Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer entgegennehmen. Der vom Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) gestiftete Preis zeichnet Initiativen aus, die einen Bezug zum Leitwort des Katholikentags aufweisen oder sich mit drängenden gesellschaftlichen Fragen beschäftigen. “Mit Christus Brücken bauen” lautete das Motto des diesjährigen Katholikentags.

Mit der Auszeichnung wurde die Notwendigkeit von Brücken zwischen Strafvollzug und Gesellschaft betont, die mit dafür ausschlaggebend sind, ob eine Wiedereingliederung von Straftätern gelingen kann.

Straftäter engagieren sich

Auf einer Aktionsbühne und an dem wie eine Gefängniszelle ausgestalteten Stand von SET-FREE wurde sichtbar, dass dieses Engagement auch Früchte trägt. Es waren u. a. zwei ehemals in der JVA Straubing Inhaftierte anwesend, die dort eine sehr lange Haftstrafe verbüßt hatten. Wolfgang, einer der beiden, lebt heute in Berlin und wurde von einem Polizeibeamten, der sich in der Straffälligenhilfe engagiert, bei seinen ersten Schritten in eine neue Zukunft unterstützt. Wir konnten ihm diesen Kontakt vermitteln. Wolfgang zählt heute drei Polizeibeamte zu seinem Freundeskreis, was früher für ihn undenkbar gewesen wäre.

Ein weiterer Schwerpunkt unseres Engagements ist Öffentlichkeitsarbeit, bei der auch ehemals Inhaftierte mitwirken. Derzeit besteht zu etwa 15 Haftentlassenen weiterhin Kontakt, die uns in unseren Aufgaben unterstützen.

Der Papst äußert sich zur Resozialisierung von Straftätern

Papst Franziskus betonte kürzlich (SZ 23.06.14), es sei sein Anliegen, die „Nähe des Papstes und der Kirche gegenüber allen Männern und Frauen, die im Gefängnis sind, in allen Teilen der Welt“ zum Ausdruck zu bringen. Zugleich forderte der Papst, der immer wieder auch Gefängnisse besucht, mehr Anstrengungen für die Resozialisierung von Straftätern.

Zudem schrieb er am 07.06.14 an zwei Experten-Kongresse über internationales Strafrecht: „In unserer Gesellschaft tendieren wir zu dem Gedanken, dass Delikte gelöst werden, indem der Delinquent gefasst und verurteilt wird. Dabei übersehen wir oft die angerichteten Schäden oder sehen nicht genau genug auf die Lage der Opfer. Es wäre aber ein Irrtum, Wiedergutmachung nur mit der Strafe zu identifizieren. Dann verwechseln wir Gerechtigkeit mit Rache, was nur zu mehr Gewalt, wenn auch institutionalisierter, führt.“ Es gehe letztlich um die Rehabilitierung und völlige Wiedereingliederung eines Täters in die Gemeinschaft. Reue dürfe nicht auf die „private Bekehrung eines Einzelnen beschränkt“ bleiben, sondern es brauche „auch eine politische und institutionelle Dimension“.

Die Erfahrung lehre, dass härtere Strafen oft weder die sozialen Probleme lösen noch die Kriminalitätsrate senken. Oft führten sie sogar zu „schwerwiegenden Problemen für die Gesellschaften“.

Medien dürften „nicht dazu beitragen, Alarm und soziale Panik auszulösen, wenn sie über Verbrechen berichten“.

Wurzeln der Verbrechen seien häufig „wirtschaftliche und soziale Ungleichheit“ oder „Korruptionsnetze und organisiertes Verbrechen“. Dagegen reichten „gerechte Gesetze“ nicht, sondern entscheidend seien „Menschen, die fähig sind, diese in die Praxis umzusetzen“.

Buchvorstellungen / Publikationen

Der Reinerlös kommt der SET-FREE-Gefängnisarbeit zugute. Bestellung über gooding.de

STRAFTÄTER VERÄNDERN

Das Buch „STRAFTÄTER VERÄNDERN – Eine Einführung in das APAC-Programm” beschreibt als erstes Werk in deutscher Sprache das APAC-Modell aus Brasilien, durch das unsere Arbeit inspiriert wurde. Wir streben in Deutschland Einrichtungen an, die weitgehend nach diesem Modell arbeiten sollen.

ISBN 978-3-8370-4941-1, 19,- €.

Menschen hinter Gittern

Eine 2016 aktualisierte Auflage des Hefts „Menschen hinter Gittern – Warum die Hand reichen?” mit persönlichen Zeugnissen von Betroffenen auf beiden Seiten der Mauern kann kostenlos über gf(at)set-free-network(dot)de oder postalisch bei unserer Redaktion bestellt werden. Wir bitten lediglich um Übernahme der Portokosten.

ISBN 978-3-360-01307-1, 12,99€

Die Schwere der Schuld

Die Bücher „Die Schwere der Schuld” und „Die Gefährlichkeit des Täters“ analysieren aus der Sicht eines Insiders (ehemaliger Anstaltsleiter) sehr eindrücklich die Problematik des Systems von Strafen und Gefängnis. Dr. Thomas Galli schildert in spannenden Geschichten das Leben hinter Gittern.

ISBN 978-3-360-01318-7, 12,99€

Die Gefährlichkeit des Täters

Es zeigt zugleich bürokratische Fallstricke und Unzulänglichkeiten der Institution Gefängnis auf sowie den Umgang mit der Frage, ob jemand und warum er für die Allgemeinheit möglicherweise eine Gefährdung darstellt und wie entschieden wird, ob Menschen ein Leben lang weggesperrt bleiben.

ISBN 978-3-570-10219-0, 19,99€

Knast Dilemma

Der Jurist Bernd Maelicke plädiert in dieser spannenden Lektüre eindringlich für eine sinnvolle Resozialisierung von Straftätern. Warum bewirken Gefängnisstrafen nicht, dass die Bestraften beim nächsten Mal von Straftaten die Finger lassen? Warum hat man bei Gefängnissen stets dieses Dilemma-Gefühl? Was Therapie und Wohngruppen bewirken können, beschreibt er anhand von Modellprojekten. Ein Motivationsbuch für eine rationale Kriminalpolitik und eine spannende Lektüre nicht nur für Fachleute. Wegsperren oder Resozialisieren ist für den Leser am Ende keine Frage mehr.

ISBN 978-3-570-10219-0, 19,99€

Interessanter „Link“ in die Kriminologie

Internet-Lexikon der Hamburger Universität namens »Krimpedia«, in dem auch aktuelle Artikel abrufbar sind, die Relevanz für unsere Gefängnisarbeit haben. Dieses ähnlich Wikipedia® aufgebaute Werk finden Sie unter: http://www.kriminologie.uni-hamburg.de/wiki/
Dort finden sich z. B. Informationen über APAC, SET-FREE und Strafvollzug in freier Form.

Unterstützung

Wir danken allen Freunden und Förderern für die bisher gewährte Unterstützung und speziell auch den Mitgliedern des SET-FREE e. V. für ihr Engagement. Als Ergänzung zum persönlichen Einsatz sind wir aber mehr denn je auf Spenden angewiesen.

Neben der Weiterführung unseres Auftrags und der Gewinnung und Ausbildung weiterer Ehrenamtlicher hoffen wir, weitere Arbeitsplätze für die Koordination unseres Projekts in der JVA Straubing und eine Ausweitung der Arbeit im bayerischen Raum oder einem anderen Bundesland schaffen zu können.

Spendenkonto

SET-FREE e.V.
Konto 980 9100
BLZ 700 205 00
Bank für Sozialwirtschaft AG

IBAN: DE19 7002 0500 0009 8091 00
BIC/SWIFT-Code: BFSWDE33MUE

Redaktion

Verantwortlich im Sinne des Presserechts
Angelika Lang
SET-FREE
Winterzhofen 11
D-92334 Berching

info(at)set-free-network(dot)de

 

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