Freundesbrief 2019-12

Liebe Freunde und Förderer,

heute wollen wir uns bei euch für die Unterstützung in diesem Jahr bedanken, einem Jahr, das uns vor große Herausforderungen gestellt hat. Viele treue Spender/innen haben es möglich gemacht, dass wir unseren Einsatz weiter ausbauen und auch neue Aufgaben angehen konnten.

Unsere neue SET-FREE-Niederlassung in Sachsen ist nun eingerichtet und wir freuen uns, dass wir in Dresden auf große Offenheit für unsere Anliegen stoßen, sowohl in kirchlichen Kreisen als auch bei der Justiz.

Heute wollen wir einfach ein paar Themen aus unserer Arbeit herausgreifen, die das Jahr 2019 geprägt haben und die auch anspornen sollen, sich weiter für Gefängnisarbeit zu engagieren:

Mut machende Geschichten:

Haarscharf an einer erneuten Inhaftierung vorbei

Im Frühjahr 2018 wurde S in eine Therapie verlegt. Wir hielten den Kontakt. Kurz darauf musste er die Therapie verlassen, weil andere Patienten, mit denen er früher Konflikte hatte, sich ebenfalls in dort befanden. Es begann ein Wettlauf mit der Zeit. Er musste eine neue Therapiestelle finden, brauchte eine neue Kostenzusage, vorübergehende Wohnung, möglichst eine Beschäftigung, damit er nicht rückfällig wird etc. Zu alldem saß ihm und uns, die wir ihn betreuten, die Staatsanwaltschaft im Nacken, die Druck machte und auf dem Sprung war, ihn wieder zu inhaftieren, falls er es nicht schafft.

Durch wochenlange Intensivbetreuung wurde das Unmögliche möglich: Wohnung, ehrenamtliche Beschäftigung bei der Kirche (Lose rollen für die Bistumswallfahrt) und eine neue Therapieeinrichtung konnten wir mit ermöglichen. Die Beschäftigung bei der Kirche war dabei unglaublich wichtig. Dadurch hatte er Struktur, bekam ein Mittagessen, eine Ehrenamtspauschale und letztlich ein Zeugnis für seinen Einsatz.

S hat sich sehr stabilisiert und er hat die Therapie und Nachsorge erfolgreich abgeschlossen. Das Jugendamt hat ihm seine Kinder zugesprochen, die er bald zu sich holen darf und um die er sich durchgängig rührend gekümmert hat.

Wir sind weiter im Kontakt mit ihm und freuen uns ungemein über seinen Weg!

Verlegt und doch weiter in der Gemeinschaft

wurde in eine andere Haftanstalt verlegt. Er hatte sich zuvor durch die Gruppen, die wir unter dem Dach der Seelsorge im Gefängnis anbieten konnten, auf einen Weg mit Gott eingelassen. Nun schrieb er uns aus dem neuen Gefängnis: „Gestern war ich zum Gottesdienst. Die Kirche ist wunderschön, nur leider lässt die Disziplin im Ehrenamtliche DresdenGottesdienst zu wünschen übrig. Ich wünschte, alle Leute aus meiner alten JVA würden Sonntag hierher kommen, um zu zeigen, wie man richtig Gottesdienst zelebriert. Ja, das ist ein Punkt auf der „Negativseite“ und die schöne Zeit am Sonntagmorgen fehlt mir sehr. Alle, die in der alten JVA den Gottesdienst gestalten, können stolz sein auf das, was sie da geschaffen haben!!! […] mir fehlt ihr alle ungemein und ich finde es extrem schade, dass ich bei euch nicht mehr dabei sein kann. Daher an euch alle ein riesen Lob für euer Engagement und für das, was ihr da macht. Mir hat das super viel gegeben und ich kann mich nur bedanken für das, was das mit mir gemacht hat. Ich zehre von diesem Spirit, den ihr mir mitgegeben habt, und bin glücklich, ein Teil eurer Gruppe gewesen zu sein. Aber ich weiß ja auch, dass ich wieder ein Teil von eurer „Außengruppe“ sein werde, wenn ich zurück in Freiheit bin. Viva la libertad!“ [Anm. d. Red.: Es lebe die Freiheit!]

Ein Ehepaar übernimmt eine Patenschaft

J ist Asylbewerber und wurde ebenfalls im Frühjahr entlassen. Wir holten ihn vom Gefängnistor ab und begleiteten ihn bei vielen Ämtergängen. Durch seine gute Führung im Asylbewerberheim durfte er inzwischen eine eigene Wohnung anmieten. Eine Ehrenamtliche aus unserem Team hat zusammen mit ihrem Mann eine Patenschaft für ihn übernommen. Beide unterstützen ihn rührend in allen Lebensbereichen und halten mehrmals in der Woche Kontakt zu ihm. So konnte er nun auch nach einer Teilzeitbeschäftigung eine Vollzeitstelle in einem Krankenhaus bekommen. Er ist bei seinen Paten wirklich ein Teil der Familie geworden. Wie schön!

Multiplikation beginnt – Ehemaliger will Ehrenamtlicher werden

Immer dann, wenn Menschen das Gute, das sie selbst erfahren haben, an andere weitergeben, wird unsere Welt ein klein wenig menschlicher und unsere Vision ein kleines Stück realer, die da heißt: „Wir haben den Traum …, dass aus Straftätern Täter der Liebe werden“. Was das für Menschen im Gefängnis bedeuten kann, machen Auszüge aus einer Mail eines vor kurzem Entlassenen deutlich:

„Zuerst wollte ich mich noch einmal sehr bei Ihnen bedanken. Die Gruppe in Dresden war damals wunderschön und man konnte den Gefängnisalltag kurz hinter sich lassen.

Sie hatten immer ein offenes Ohr und man hat sich bei Ihnen immer wie ein Mensch gefühlt, nicht wie ein Gefangener.

Auch hier noch einmal vielen vielen Dank an die ehrenamtlichen Mitarbeiter, welche sich die Zeit genommen haben für einen Besuch.

Nun erzähle ich kurz von meinem weiteren Weg….. Im August 2018 wurde ich in den Offenen Vollzug verlegt. Ich begann im selben Monat eine Weiterbildung zum Fachinformatiker, der mit einem IHK Gesellenbrief abgeschlossen wird. Diese Weiterbildung läuft bestens. Nebenher habe ich auf eigene Kosten bei der Handwerkskammer Abschlüsse zum betrieblichen Datenschutzbeauftragten absolviert und erfolgreich bestanden.

Im November 2019 wurde ich in die Freiheit entlassen. Jedoch werde ich diese Zeit nie vergessen.

Da ich am eigenen Leib gespürt habe, wie schwer diese Zeit sein kann und wie sehr man sich über ein Lächeln, ein Gespräch oder einfach nur zuhören freut, würde ich sehr gern Gefangenen helfen, von meiner Geschichte erzählen oder als Ehrenamtlicher tätig werden. Ich würde mich wahnsinnig freuen wenn dies möglich wäre.

ApacAPAC-Konzept für Deutschland

SET-FREE arbeitet mit Hochdruck zusammen mit anderen Kooperationspartnern an einem APAC-Konzept, das auf deutsche Verhältnisse angepasst ist. Das Konzept soll dann der Justiz vorgelegt werden. Wir hoffen sehr auf Aufgeschlossenheit für eine derartige Ergänzung zum herkömmlichen Strafvollzug.

Wer will APAC in Brasilien kennenlernen?

Die Dachorganisation aller APAC-Reintegrationszentren in Brasilien, FBAC, konnte zwischenzeitlich das Objekt CIEMA in Betrieb nehmen. Dort ist eine Wirkungsstätte für Forschung und Multiplikation für die APAC-Methode entstanden. Wir wollen diese Möglichkeit nutzen und haben vor, regelmäßige Studienreisen zu APAC zu organisieren. Interessenten können sich gerne bei uns melden!

Projekt „Kostenlose Horeb-Radiogeräte für Inhaftierte”

Gefangene gehören zu den Randgruppen unserer Gesellschaft, für die es sehr schwer ist, am Informationsangebot teilzuhaben. Um hier zu helfen, kooperieren der Sender Radio Horeb und der SET-FREE e.V. seit zwei Jahren in dem Projekt “Kostenlose Horeb-Radiogeräte für Inhaftierte”.

Denjenigen, die über wenig Finanzmittel verfügen oder die einen intensiveren Informationsbedarf haben, weil sie sich zum Beispiel besonders intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen, ist diese Initiative besonders gewidmet:

Wir möchten inhaftierten Menschen einen möglichst einfachen, kostenlosen und intensiven Empfang von DAB+ Radiosendern ermöglichen, speziell natürlich auch für das Programm von Radio Horeb. Das Angebot gilt unterschiedslos für alle Gefangenen und ist nicht konfessionell gebunden. Die Vermittlung oder Vertiefung des christlichen Glaubens ist hierbei lediglich ein Angebot, dessen Nutzung den einzelnen Gefangenen überlassen ist.

Die hochqualitativen Radiogeräte werden den Gefangenen kostenlos bereitgestellt.

Anstaltsleitungen und Sicherheitsbeauftragte bitten wir, dieses Projekt nach besten Kräften zu unterstützen.

Wir konnten bereits 1.200 Radiogeräte in 54 Haftanstalten (in 15 Bundesländern) an Gefangene verteilen!

Netzwerk- und Engagiertentreffen zusammen mit Alpha in Kassel

Am 30.11.2019 haben wir unser Engagiertentreffen erstmals zusammen mit „Alpha im Gefängnis“ als Netzwerktreffen für die Gefängnisarbeit bundesweit organisiert.

Erfreulich viele Organisationen und Einzelpersonen haben daran teilgenommen. Die fünf angebotenen Workshops zu „Kirchengemeinde und

Haftentlassene“, „Resilienz durch Alpha“, „Wie starte ich Alpha im Gefängnis“, „Wie gewinnt man Ehrenamtliche“ und die „Vorstellung des APAC-Reintegrationsprogramms aus Brasilien“ waren gut besucht.

Ein künftiger Schwerpunkt dieser Treffen könnte die Herausforderung sein, wie sich die vielfältigen Organisationen der Straffälligenhilfe in Deutschland vernetzen und dadurch effektiver aufstellen können.

Spenden ohne zu zahlen – gooding.de macht’s möglich!

Sie können spenden ohne zu zahlen! Seit 2017 arbeiten wir mit dem Internetportal gooding.de zusammen, wodurch wir schon für über 1.000 Euro privater Bestellungen von euch entsprechende Prozente gespendet bekommen haben. Das Portal ist aber immer noch viel zu wenigen bekannt bzw. wird noch zu wenig genutzt!

Hier kann man bei jedem Online-Einkauf kostenlos einen Prozentsatz der Bestellsumme vom Verkäufer an SET-FREE spenden lassen. Bitte beherzigen Sie dies möglichst bei jeder Online-Bestellung. Danke!

Unterstützen Sie SET-FREE ganz einfach bei Ihren Einkäufen – ohne Kosten!

Bei gooding.de machen bereits über 1.660 Online-Shops mit, u.a. auch viele große Anbieter wie ebay, OTTO, IKEA, Deutsche Bahn oder MediaMarkt.

Suchen Sie sich Ihren Shop aus, wählen Sie unseren Verein als zu Begünstigenden und kaufen Sie ein – wie immer. Unser Verein erhält dann eine Prämie in Höhe von durchschnittlich 5% des Bestellwertes, ohne Kosten für Sie – Sie können also spenden ohne zu zahlen!

Geben Sie in den Browser ein: http://www.gooding.de/set-free-e-v-63705, und schon sind Sie mitten im Bestellvorgang zugunsten von SET-FREE.

Bitte nutzen Sie dies so oft wie möglich – und: Danke für diese kleine Mühe!

Für die Browser Firefox und Chrome können Sie sich auch eine bequeme Toolbar herunterladen, die Sie immer an diese direkte Einkaufsmöglichkeit erinnert und Ihnen dabei hilft.

Bitte um Unterstützung

Wir danken allen Freunden und Förderern für die bisher gewährte Unterstützung.

Wir sind nach wie vor ganz auf Spenden angewiesen und bitten insbesondere für Personalkosten für die Umsetzung des APAC Projekts und die Brücke zwischen Gemeinde und Gefängnis in Dresden um Unterstützung.

Der einfachste Weg zur Spende geht direkt über unsere Website – als Online-Spende – danke!

Redaktion / Impressum

Pedro M.J. Holzhey
SET-FREE e.V.
Postfach 800105
01101 Dresden
GERMANY

gf@set-free-network.de
https://set-free-ev.de

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